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mir der Mann gleichgültig ist, der meine Dürftigkeit, mein gänzlichesEntbehren aller weltlichen Größe so großmüthig übersteht, daß ersein Vermögen und seine ehrenvolle Stellung mit mir theilen will."
„Das ist'S nicht, was ich wissen will — worauf meine Hoff-nung gerichtet war — Dankbarkeit ist nicht Liebe."
„Aber sie wird eS nur zu leicht im Herzen eines Weibes," gabdas liebliche Wesen mit einem Blick und einem Lächeln zurück, welcheBetts, wenn er nicht mehr als blöde war, unmöglich mißverstehenkonnte, „und ich habe die Pflicht, meine eigene Dankbarkeit voreiner solchen Schwäche zu hüten."
„Um des Himmels willen, Mlle. Hennequin! sehen Sie offen undaufrichtig mit mir, wie Sie es von Natur sind, wie ich Sie immergekannt habe. Lieben Sie mich — können Sie mich lieben?"
Auf eine so unumwundene und kategorische Frage mußte noth-wendig entweder ein Erröthen oder ein Lächeln folgen. Das Elfteregeschah auch in der That von Seiten der Erzieherin und zwar in einerhöchst anmuthigen und einnehmenden Weise — obwohl mir schien,als ob sie noch zögerte, sich auch der Lust zum Zweiten hinzugeben.
„Wozu sollte ich ,Ja° sagen, da es doch nun und nimmermehrzu etwas Gutem führen kann!"
„Dann sagen Sie ,Neiick und schlagen auf Einmal jede Hoff-nung nieder."
„Dieß hieße Ihnen — uns Beiden — unnöthige Qual bereitenund möchte sich auch, streng genommen, nicht ganz mit der Wahr-heit vertragen. — Ich konnte lieben! Ach, Gott allein weiß es,wie dies Herz lieben konnte, wo Recht und Vernunft mit seinenGefühlen im Bunde standen."
Nach einer solchen Erklärung ist es wohl unnöthig zu sagen,daß Betts die Kategorie der Möglichkeiten bald in die der Gewißheitverwandelte. In der That setzte er der Gouvernante mit solchemUngestüme zu, daß diese gestehen mußte: was sie so gut thunkonnte, habe sie bereits im vollsten Maaße gcthan.