Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

124

versetzte Zulia treuherzig. »Ich kann aber nicht anders, ich mußden Lehren zuhoren, die sie meinen Schwestern ertheilt,undnun, kurz und gut, ich scheue mich mit diesem Kaufe ihrem Blickezu begegnen, der mir sagen wird: was helfe» alle meine guten Lehrenüber Takt und verständiges Betragen, wenn ihnen das Beispiel eineraltern Schwester entgegenwirkt? Sieh, das ist's, was ich fürchte.«

Mary schwieg länger als eine Minute; dann lächelte sie neckisch,wie junge Mädchen thun, wenn ihnen gewisse Vorstellungen durchden Sinn gehen und nahm dann das Gespräch wieder auf:

llnd Betts Shoreham hätte mit all dieser Furcht nichts zuschaffen?"

Was kann Betts Shoreham mir oder was kann ich für BettsShoreham scyn? Ich will doch hoffen, daß das zufällige Zusam-mentreffen auf dem Paquetboote, welches uns von Europa zurück-brachte und die Besuche, die er uns von jener Reisebekanntschafther macht, ihm kein Recht auf. ein sogenanntes ,Veto^ in meinenToilette-Angelegenheiten ertheilen sollen?"

»Für jetzt freilich noch nicht, meine Liebe. Aber sie konntenihm etwa einen Grund geben, sein Veto in petto zu halten."

Ich glaubte einen Schatten über Julia Monson'S Züge hin-siiegen zu sehen, während sie ihrer Freundin in einem Tone, dem mansogleich anhörte, daß sie nicht mehr scherzte, und mit einem Takt,welcher hinlänglich bewies, daß sie einen ganz gesunden Verstandin ihrem Köpfchen und ein lebendiges Gefühl wahrer Weiblichkeitim Busen hatte folgendermaßen antwortete:

Wenn ich auch durch meine europäische Reise keine andereErfahrung gemacht hätte, so habe ich doch jedenfalls einsehen ler-nen, wie unüberlegt wir Mädchen in Amerika handeln, indem wirso offen von dergleichen Dingen reden. Die Jungfräulichkeit einesWeibeS ist wie der zarte Schmelz einer Blume, und sie muß noth-wendig darunter leiden, wenn man ihren Namen mit dem eines