Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

«in kostbares Taschentuch sür einen wesentlichen Bestandteil ihresLebensglückcS halten.

Eine solche Außenseite ist in der That ein natürlicher Beweis,daß die Seele mehr an dem Schein, als an dem Wesen der Dingehängt, und daß man sich in seinen Ansprüchen auf die AchtungAnderer nicht ausschließlich auf die höheren sittlichen Gefühle undEigenschaften beschränken mag. Kurz ein derartiges Spielzeuggibt immer ein Seitenstück zu dem schonen Gefieder des Pfaus ab,da es aus demselben Grunde zur Schau getragen wird, welcherdiesen Vogel zur Entfaltung seines Federschmuckes veranlaßt.

Miß Monson war in Gesellschaft einer andern jungen Damegekommen, welche ungefähr in demselben Alter stand und in ihreräußern Erscheinung, was Stand und Kleidung betrifft, jener überhauptsehr ähnlich war, obgleich eine wesentliche Verschiedenheit in demCharakter der Beiden auf den ersten Blick ins Auge fallen mußte.Diese Begleiterin, welche Mary genannt wurde und mit ihremFamiliennamen Warren hieß, hatte nichts von dem unruhigen Wesenihrer Freundin und kümmerte sich offenbar weit weniger nm dasUrtheil der Leute über ihr Thun und Lassen. Als die Taschentücherauf den Ladentisch ausgelegt wurden, griff Julia Monson hastignach einem derselben, während uns Mary Warren sammt und son-ders mit einem Blicke kalter Gleichgültigkeit, wenn nicht geradezuvon Mißfallen, betrachtete.

Ach wie herrlich!" rief die Erstere, sobald sich der Commisentfernte, um für einen andern Kunden Handschuhe zu holenwelch köstliche Stickerei! Mary, Du solltest eines davon nehmen,ich habe dann mehr Muth, ein zweites zu kaufen; ich weiß. DeineMutter gab dir heute Morgen das Geld dazu."

Nicht dazu, liebe Julia! Meine Mutter denkt nicht entferntdaran, daß ich mir so etwas beigehcn ließe."

Und warum denn nicht? ein reiches Taschentuch ist ja guterStyl."