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oft so ungerecht scheinen und deren Plane so unerforschlich sind.Wenn man nur erwägen will, wie die Zeit der Ewigkeit gegenübernur ein Staubkorn ist, wenn man sich nur das Tröstende des: „wen derHerr lieb hat, den züchtiget er", ins Gedächtniß prägt, dann wirdman die Leiden dieses Lebens leicht, ja mit Freudigkeit tragen.
Die Art und Weise, wie Desiree über mich verfügte, wird derLeser im folgenden Kapitel erfahren.
Achtes Kapitel.
Der Leser darf aus dem Vorhergegangnen nicht auf eine unge-wöhnlich niedrige Denkweise der würdigen Demoiselle Desireeschließen. Käuflich war sie allerdings in einem gewissen Grade —wo ist die Nnterhändlerin, die cS nicht wäre? — allein sie zeigteauch ihre Anwandlungen von HerzcnSgüte, so gut wie irgend jemandund hatte immerhin einiges von ihrer Zeit und also auch etwas Geldgeopfert, um Adrienne in ihrer Noth zu dienen. Was den Handelmit mir anbetraf, so schlug dieß in ihr „Geschäft" ein, und manwird selten finden, daß die Menschenliebe jene zur andern Natur ge-wordene Politik der GewerbSleute überwältigt.
Desiree war keineswegs ganz ohne Mittel und brauchte sichdaher in ihrer nunmehrigen Aufgabe, die nöthigen Procente aus demgeschloffenen Kaufe zu ziehen, nicht zu übereilen. So mochten nachmeiner Berechnung wohl zwei bis drei Jahre hingegangen seyn,«he sie mich wieder aus der Schublade hcrvorzog, in welcher ichso lange als eine Art „Reservekorps" gelegen hatte. — Am Schlußdieser Periode kehrten ihre Gedanken zu ihrem Schatze zurück undbald zeigte sich eine Gelegenheit, mich vortheilhaft zu verwerthen,da sie mich, um für jeden annehmbaren Handel, der sich etwa dar-bieten möchte, in Bereitschaft zu sein, in ihren Nidicüle gesteckt hatteund auf allen ihren Gängen mitnahm.