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viel müssen wir fordern, meine Liebe, dann können wir immerhinfünf Franken herunterhandeln lassen, da wir doch noch zwei Na-poleons bekommen."
Adrienne fühlte, wie ihr Herz so großem Weh erlag. Mangelan Nahrung hatte ihre Geisteskraft gelähmt und hier kam vollendsein Schlag, der all' ihre goldenen Träume vernichtete. — Es warzu viel! Wußte sie denn nicht, daß Taschentücher wie das ihrigein den Läden häufig zu zwanzig Napoleons verkauft wurden? Ja,aber das war ihr freilich unbekannt, welche enormen Procente derWuchergeist und die Habsucht der Kaufleute von der Einfalt undEitelkeit der Käufer zu erheben psiegt.
Das unglückliche Mädchen! cs würde wohl unter der Wuchtdieses Schlags das Bewußtseyn verloren haben, hätte sich nichtvom Krankenbette her die schwache Stimme der Großmutter ver-nehmen lassen — eine Aufforderung, welche Adrienne niemalsüberhörte und die jetzt das arme Kind für den Augenblick die Ur-sache ihres Kummers vergessen ließ.
„Meine arme Adrienne," flüsterte Frau von Rocheaimard miteiner Zärtlichkeit des Tons, wie sie ihre Enkelin schon seit mchrer enWochen nicht mehr vernommen hatte, — „meine arme Adrienne,die Stunde der Trennung ist nahe — —"
„Großmutter! — theuerste Großmutter!"
„Nicht doch, geliebtes Kind! Gott will es so. Ich bin altund die Schatten des Todes sind über mir. Es ist ein Glück, daßer mir so mild und freundlich nahe tritt in einem Augenblicke, daich so gut darauf vorbereitet bin. Das Grab, geliebte Adrienne,bietet uns Aussichten, wie kein anderer Schauplatz sie gewährenkann. Edles Blut und altadeliger Name sind nichts vor der Gnadeund Barmherzigkeit Gottes! Vergieb mir, wenn ich jemals Deinunschuldiges Herz auf Eitelkeiten gelenkt habe — es war eine vonden Schwächen des Alters. Alles, Alles ist eitel unter der Sonne— erst jetzt, da es zu spät ist, vermag ich dies einzusehen. Hüte