Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

Adrienne bewegte sich wieder in dem gewohnten Geleise ihrertäglichen Beschäftigung: vier Stunden des Morgens für mich, danndas frugale Frühstück, zuletzt die Näharbeit für die Modistin, welcheden übrigen Theil des Tags in Anspruch nahm und wofür sie nachwie vor ihre fünfzehn Sous erhielt. Das arme Mädchen! wennsie endlich um eilf llhrdenn so lange hielten sie in der Regel dieKlagen und Kritteleien ihrer Großmutter am Krankenbette festihr Lager suchen durste, so fühlte sie eine Ucbermüdung, welcheallen Schlaf zu verscheuchen anfing. Und trotzdeffen fühlte sie sichnoch glücklich, denn meine wachsende Schönheit übertraf bei Weitemalle ihre Erwartung, und ihr Eifer wurde dadurch so sehr gestei-gert, daß sie, ohne Uebertreibung, die Arbeit von zwei Wochenin einer einzigen vollendet hatte.

Doch die wenigen Franken, welche Adrienne besaß, verminder-ten sich mit reißender Geschwindigkeit. Noch Einmal überzählte sieihre Hülssquellen und Mittel und diesmal wurde sie nicht so schnellfertig. Ihre eigene Garderobe hielt durchaus keine Verringerungmehr aus; schon im Beginn der Krankheit ihrer Großmutter hattesie alles nur irgend Entbehrliche verkauft denn bei der Selbstver-läugnung, die ihr inwohnte, hatte sie jedesmal, so oft die Noth einOpfer heischte, zuerst an ihren kleinen Klcidervorrath gedacht. VonGeschmeide hatte sie nie etwas Entbehrliches besessen, und wennauch die Vicomtesse einige Reliquien ihres alten Glanzes für sieausbewahrt hatte, so waren es nur noch Sachen von unbedeutendemWerth, da die Tage ihres ErilS gar zu viele Ansprüche an ihrederartigen Hilfsquellen gemacht hatten.

Eines Abends, als Adrienne von der Modehändlerin ihrenLohn in Empfang nahm, wollte der Zufall, daß sie ein Gesprächmit anhörte, welches ihr die Gewißheit gab, daß sie nicht so wiedie übrigen Mädchen bezahlt wurde. Daß ihre Arbeit die niedlichsteim ganzen Laden sey, dies sagte ihr der oberflächlichste Blick undeben so wenig konnte ihr entgehen, daß sie an Fleiß die klebrigen