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„Wie viel rechnen Sie denn für das Ding zu bekommen, meinFräulein?" fragte die Frau sehr ruhig.
„Er hat einen Napoleon gekostet, Madame, und wurde eigensfür mich gemacht."
„Sie hoffen vielleicht, ihn um denselben Preis wieder zu ver-kaufen" — so lautete die trockene Antwort.
„Dies nicht, Madame; denn natürlich werden Sie den nöthigenProfit in Anschlag bringen; haben Sie die Güte, zu bestimmen,wie viel Sie dafür zu geben gedenken."
Adrienne konnte es, wie dieß bei zartfühlenden Naturen stetsder Fall ist, nicht über sich gewinnen, für Anderer Zeit oder Arbeiteinen Preis zu bestimmen; sie erschrak vor dem Gedanken, daß sie,ohne es zu wissen, der Frau in dem ihr gebührenden Gewinn zu nahetreten könnte. An der Aengstlichkeit und Unentschlossenheit derVerkäuferin merkte die Frau des Ladens augenblicklich, daß sic eSmit einem sehr unerfahrnen Wesen zu thun hatte, und war keckgenug, darnach zu handeln. Zuerst warf sie einen abermaligenBlick auf die kleine, zierliche Hand der Andern, ob auch keine Ge-fahr vorhanden scy, daß der Fingerhut nachher reklamirt werdenkönnte und als das Ergebniß dieser Prüfung beruhigend aussiel, ließsie ihr gemessenes Gebot in folgenden Wc-rten vernehmen.
„Als die Zeiten noch besser waren, Mademoiselle, — ich meineehe die Lumpen von Republikanern alle Fremden aus Paris ver-scheuchten, ja damals hätte ich Ihnen wohl sieben und einen halbenFrank für diesen Fingerhut bieten können; wie aber das Geschäft jetztgeht, kann ich Ihnen keinen Sous über fünf Franken dafür geben."
„Er ist von sehr gutem Golde, Madame," bemerkte Adriennemit halberstickter Stimme, „man sagte meiner Großmutter, das Metallallein sey dreizehn Franken Werth!"
„Vielleicht daß Sie in der Münze so viel dafür erhalten,wo sie Geld daraus schlagen, sonst aber giebt kein Mensch mehrals fünf Franken."