Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

So hatte mich denn Adrienne noch nicht lange in ihrer zartenHand gehalten oder gegen ihr pochendes Herz gedrückt, als ichauch schon vermöge dieser Eigenschaft mich znm Herrn aller ihrer Ge-danken gemacht und Alles was ihr zu fürchten und zu hoffen blieb,ergründet hatte. Diese Offenbarung kam aber nicht mit Einem-male über mich, wie eS bei gewissen Somnambülen der Fall seinsoll, denn wer wird in meinem Falle an Rosenkreuzerei und der-gleichen denken? sondern wie jedes Ding von der Ursache zurWirkung fortschreitet, so brauchte auch ich einige Zeit stufenweise»Fortgangs, bis mir das Ganze klar ward. Das Einfachste botsich zuerst meiner Wahrnehmung dar; das Weitere folgte dannzufolge einer gewissen magnetischen Entwickelung, mit deren Be-schreibung ich mich jetzt nicht aushalten kann. Ich habe mir übri-gens vorgenommen, wenn ich erst mit dieser Erzählung zu Endeseyn werde, eine Vorlesung über diesen Gegenstand zu halten, wozualle Redakteure des Landes ihre gewohnten Freikarten erhalten sollen,so daß die Welt unfehlbar wenigstens eben so viel erfahren wird,als diese verdienstlichen Diener des Publikums herausbringen werden.

Das Erste, was ich auf diese Art erfuhr, war die wichtigeThatsache, daß die Vicvmteffe durch die jüngst ausgebrochene Re-volution und die damit zusammenhängende Verbannung der Dauphineum alle ihre bisherigen Subsistenzmittel gekommen war. Dieser ansich schon so schwere Schlag war noch dazu im allerungünstigstenZeitpunkte gefallen. In dem Augenblicke, da die Katastrophe ein-trat, stand nämlich einer der halbjährigen Renten-Termine vor derThüre und dieser Zahlungstag kam und ging, ohne daß die beidenarmen Geschöpfe auch nur über die Summe von zwanzig Frankenzu gebieten gehabt hätten. Wären nicht wieder die Reliquien dergroßmütterlichen Aussteuer in die Lücke getreten, so hätten sie beideentweder betteln oder Hungers sterben müssen.

Der Drang der Umstände forderte jedoch eine Entscheidung fürdie Zukunft und zum Glück war der alten Dame, die schon so