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seyn, wenn das theure Kind nicht von einer schweren Krankheit be-fallen worden wäre, so daß man sogar an ihrem Aufkommen zweifelte.Ich hatte übrigens das Glück, noch ehe wir unsere Reise antraten,von ihrer allmähligen Genesung zu hören, dagegen war von dembeabsichtigten Ankäufe nicht mehr die Rede.
Vielleicht war dies recht gut, denn beider damaligen Stimmungunserer „äußersten Linken" schien es mehr als zweifelhaft, ob meineKameraden auf jenem Flügel sich unter der Garderobe der Dauphinemit dem Takte und der Besonnenheit benommen hätten, wie diesin der Umgebung einer Prinzessin von so hohem Range und soausgezeichnetem Charakter erwartet werden konnte. Zwar läßt sichnicht läugnen, daß keines von uns den Fall, um den sichs handelte,so recht eigentlich begriff; allein dies machte die Sache nur um soschlimmer, denn eS ist ja eine alte Erfahrung, daß man am heftigstenstreitet über Dinge, die man nicht versteht und sie eben darum mitder größten Zuversicht beurthcilt.
So kam es denn, daß ich an nichts, als an Adrienne denkenkonnte, als Mademoiselle Desirve uns der Herrin der neuen Firma
in der Slraße-präsentirte. Wir wurden einer strengen Prüfung
unterworfen und dann als „musterhaft" anerkannt; doch geschah diesnicht in dem süßen Tone und mit dem noch süßeren Lächeln jenesedlen, feingebildeten Mädchens, das wir in der Pikardie zurückge-laffen hatten. In ihrem Lobe lag etwas, was das Herz rührte,ein Gefühl, dem selbst die Fanatiker unter unfern Republikanernnicht zu widerstehen vermochten, denn sie schien bei Abwägungunserer Verdienste nicht bloS das Gewebe und den Preis im Augezu haben. Sie sah in unserer Schönheit das Ebenbild der Gabe,welche sie für die Fürstin gewählt, in unserer Weichheit das Symbolder Wohlthätigkeit der Dauphine, ihre eigene Dankbarkeit harmonirtemit dem ausnehmend Feinen in unserer Erscheinung und unsereZartheit ließ alle die edle Großmuth der Fürstin ahnen, für die