entfaltete, daß ich erst jetzt zu fühlen begann, wie Christus fürmich eben so gut wie für die übrige Menschheit in den Opfertodgegangen sey. Ich dachte, wenn der Verbrecher am Kreuze nochRettung finden konnte, so bedürfe es selbst bei einem gottlosen Sün-der, wie ich gewesen war, nur des Glaubens und der Reue, umAntheil an der Gnade des Erlösers zu gewinnen.
Die ganze Zeit über sehnte ich mich sehr nach religiösem Un-terrichte und meine Gedanken kehrten immer und immer zu jenerPredigt im Matrosenasyle, wie zu dem Geistlichen zurück, welcherdieselbe gehalten hatte.
Im Fieberhospital lag ein amerikanischer Zimmermann, dermir, sobald er von meinem Zustande hörte, einige Trakiätchen über-gab, die er aus der Heimath mitgebracht hatte. Er selbst warnicht gerade fromm, die Umstände hatten ihn nur ernsthaft gestimmtund da er im Begriffe stand, den Ort zu verlassen, so war er gernbereit, meinen Bedürfnissen abzuhelfen. Er erzählte mir, in seinemHospital befänden sich mehrere Engländer, ebenso ein Amerikaner,die eines geistlichen Trostes in hohem Grade bedürften; er gab mirden Rath, mich von meinem Lager aufzuraffen und sie zu besuchen,was ich auch that, sobald es meine Kräfte zuließen.
Anfänglich hielt ich mich für zu gottlos, um diesen Leutenmeine Gebete und meine Unterhaltung anzubieten, aber mein Ge-wissen ließ mir keine Ruhe, bis ich es Ihat, denn es kam mir jetztvor, als ob die Bibel mir eben so gut zu ihrem, als zu meinemNutzen in die Hand gegeben worden sey und ich konnte nicht eherruhen, als bis ich ihnen all den Trost gewährt hatte, den ich mei-nerseits ihnen angedeihen lassen konnte. Ich las zwei bis dreiWochen lang mit diesen Männern in frommen Büchern; Chapman,der Amerikaner, war derjenige, der seinen sittlichen Zustandals den hoffnungslosesten betrachtete. War ich nicht im Standeselbst zu ihnen zu gehen, so schickte ich ihnen meine Bücher, undNed Mpers. 22