334
leeren und ihm die Nothwendigkeit vorzustellen, mich unverzüglichin's Spital zu senden. Er versprach, dem Kapitän meine Ange-legenheit vorzutragen, worauf ich den andern Tag an's Land ge-bracht wurde.
Meine beiden höchsten Wünsche waren — ins Hospital zu ge-langen und mir eine Bibel zu verschaffen: ein Aufkommen erwarteteich nicht mehr, da das eine meiner Beine schon über die Hälftezusammengeschrumpft war und offenbar immer schlimmer wurde —konnte ich also Ruhe für meinen Körper und Trost für meine Seelefinde», so fühlte ich, daß ich glücklich werden würde.
Von meinem amerikanischen Schiffskameraden, einem New-Vorker Landsmanne» der vom Hudson-Flusse stammte, hatte ichäußern hören, daß er eine Bibel besitze; ich hatte sie aber nie ge-sehen, denn nach achter Matrosensttte ließ er sie unberührt aufdem Boden seiner Kiste liegen. Ich bot ihm für seine Bibel einesmeiner Hemden; er wollte aber keine Bezahlung aunehmen undmachte sich ein Vergnügen daraus, mir das Buch zum Geschenkezu geben, worauf ich ihm übrigens doch noch mein Hemd als eineArt von Andenken aufdrang.
Jetzt hatte ich zwar das gewünschte Buch, konnte aber nichtdarin lesen, da es mir an einer Brille gebrach. Ich hatte nun-mehr ein Lebensalter erreicht, wo die Schärfe der Augen nachzu-laffen anfängt, und den meinen hatte der frühere Aufenthalt zu Floridabedeutend geschadet. Im Spital zu Sourabaya hatte ich durch denVerkauf eines schwarzseidsnen Halstuches einige Rupie» eingenom-men und da ich jetzt eine Brille nöthig fand, so verhandelteicheinPaar Stiefel, deren geringen Erlös ich zu der noch ausbewahrtenSumme schlug und mich reich und glücklich fühlte in der Aussicht,das Wort Gottes fortan ganz nach dem Drange meines Herzensstudiren zu können.
Als ich das Schiff verließ, drückten mir Alle vom Vor- undHinterkastell die Hand, denn der Ausspruch des Admirals-ArzleS hatte