Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

235

uns mit den Schootcn dis großen Segels festbandcn nnd nur beieiner völligen Zertrümmerung deS Decks weggcschwemmt werdenkonnten, da das Tau sehr stark und zäh war. Unser Fahrzeugpolterte nur zweimal gegen die Barre »nd trieb dann frei undungehemmt dem Occan entgegen.

Ich wußte nunmehr, daß wir uns auf der See befanden undgeraden Wegs von der Küste abstcuerten. Sobald wir in tiefesWasser gelangten, brachen die Wogen nicht mehr mit so furchtbaremUngestüm über uns her, obwohl sie noch immer unser Hintertheilüberspülten. Die Masten wurden endlich auch abgerissen, was michaber weit weniger bekümmerte, als der hohe Wafferstand unseresKielraumS, der schon jetzt beinahe ganz angefüllt war. Sinkenkonnten wir nicht, da das Schiff einen gefischten Kiclraum hatteund größtentheils aus Fichtenholz gebaut war, so daß das Quarter-deck des SchoonerS immer noch gegen fünf Fuß über'm Wasserblieb, während beide Buge fast ganz überschwemmt wurden, wasuns hinten durchaus nicht unlieb war.

Zum Glück hatte der Sturm bei',» ersten Ausbruche seineWuth beinahe ganz erschöpft, denn bald nachdem wir die Barre hinteruns hatten, begann der Wind an Heftigkeit nachznlassen, und gegenMorgen war nur noch eine steife Brise zu verspüren. Nirgendsließ sich ein Fleckchen Lands gewahren, obgleich ich an der Farbedes Wassers erkannte, daß wir von der Küste nicht sehr entferntseyn konnten. Wir waren zur Ebbezeit ausgelaufen und dies hatteuns so weit in die See hinausgeführt: doch kannte ich auch dieganze Südküste als sehr niedrig, wcßhalb sie von der Oberflächedes Meeres aus auf bedeutende Entfernung nur selten zu sehen ist.

Der Tag, welcher dieser SchrcckenSnacht folgte, war in hohemGrade traurig und trostlos: das Wetter war schön, die Sonnebrannte sogar glühend auf uns herab, aber der Wind wehte immernoch stark vom Lande und trieb uns mit jedem Augenblicke weiterdem Schooßc des Weltmeers entgegen.