Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

139

meine Schwester mich am Thore erwarte. Jack kannte meineganze Lebensgeschichte und war durch die Aehnlichkeit, welchezwischen mir und der Person, welche nach mir gefragt statte, herr-schen sollte, auf diesen Gedanken gerathen. Ich weigerte michaber an's Thor zu gehen und nach der Besucherin zu sehen; Jackwurde mit dem Aufträge zurückgeschickt, das Frauenzimmer glaubenzu machen, daß ich auf Bermuda zurückgeblieben fest; zugleich sollteer einige Winke fallen lassen, daß es besser wäre, wenn sie meinenNamen gar nicht erwähnte und nie mehr zum Besuche hierher käme.

Jack that, wie ich ihn gebeten hatte und ich suchte mir einPlätzchen, von wo ich die Frau beaugenscheinigen konnte. Trotzdemdaß sie jetzt schon verheirathet war und einen Knaben bei sich hatte,erkannte ich sie auf den ersten Blick und mein Herz hätte michbeinahe zu einer Schwäche hingerissen, besonders als ich sie garnoch weinen sah. Sie verließ endlich das Thor und wandte sichnach den Wällen, von wo sie in den Hof der Gefangenen herab-sehen konnte; dort blieb sie eine ganze Stunde lang, als ob siesich mit eigenen Augen von der Wahrheit dessen überzeugen wollte,was Jack ihr vorerzählt hatte allein ich hütete mich wohl, michvor ihr blicken zu lassen.

Da ich wußte, daß nur wenig Hoffnung auf eine Auswechs-lung der Gefangenen vorhanden war, so begann ich nach und nachauf Mittel zur Flucht zu sinnen. Jack Maltet konnte nicht an'SSchwimmen denken, denn er war zu Bermuda mit knapper Nothdem Waffertode entronnen und hatte Rheumatismus und Krämpfedavon getragen, die ihm eine Theilnahme an unser» Planen un-möglich machten; ich aber hatte seit jener Nacht, wo der Untergangdes Scourge mich in Lebensgefahr gebracht, die wichtige Kunst desSchwimmens mit ziemlicher Geläufigkeit gelernt. Zur Beförderungmeiner Flucht bedurfte ich aber Geld, und Jack und ich berath-schlagten mit einander, wie ich mir solches verschaffen könnte; diezehn Thaler, die ich von Sir Thomas Hardy erhalten, hatte ich