582
Dreißigstes Kapitel.
Als tiefer stets von TodeSnachtUmflort ich sank, kein Arm zu helfenSich zeigte, sah in lichter PrachtGleich einem zarten lust'gen ElfenDein Bild ich ob den Wogen schwebenUnd deine Brust in Mitleid bold erbeben,
Drum lieb' ich dich, du süßes, theureS Leben.
Coleridge.
Als Jsabella mit Ojema und Mercedes (denn letztere solltedem Wunsche der Königin zu Folge gegenwärtig fest») allein war,ließ sie sich auf die fragliche Vermählung mit der Zartheit einerempfindsamen und edeln Seele, aber auch mit einer Offenheit ein,welche jede weitere Mißdeutung unmöglich machte. Das Ergebnißzeigte, wie natürlich die indianische Schönheit in jene grausameSelbsttäuschung verfallen war. Glühend, vertrauensvoll und gewöhnt,unter ihrem Volke als ein Gegenstand der allgemeinen Bewunderugbetrachtet zu werden, hatte sich Ozema dem Wahne hingegeben, ihreGefühle fänden bei dem jungen Manne volle Erwiederung. Vondem ersten Augenblicke ihres Zusammentreffens an hatte sie mit deminstinktartigen Scharfblick des Weibes bemerkt, daß sie bewundert werde,und da sie dem Ergüsse ihrer eigenen Empfindungen Raum gab,so war es fast nothwendige Folge ihres Verkehrs mit Luis, daßsie dieselben erwiedert glaubte. Selbst der Umstand, daß man für denAustausch der Gedanken in Ermanglung ?er Worte, Blicke und Ge-berden zu Hülse nehmen mußte, trug dazu bei, den Jrrthum zuvermehren, und man wird sich erinnern, daß Luis' Treue, wenn sieauch nicht wirklich wankte, doch schwer auf die Probe gesteckt wurde.Die Bedeutung, die sie irrigerweise mit dem Worte Mercedes ver-band. half eine Täuschung unterstützen, welcher die männliche Zärt-lichkeit und Sorgfalt, womit unser Held die Indianerin bei allenGelegenheiten behandelte, das Siegel ausvrückte. Sogar der strenge