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Nach der Entfernung des Königs saß Jsabella einige Minutensinnend da; dann nahm sie ein Licht und begab sich durch einigegeheime Gänge, mit welchen sie vertraut war, nach dem Gemachihrer Töchter. Hier weilte sie eine Stunde in liebevoller und sorg-fältiger Erfüllung ihrer mütterlichen Pflichten, küßte dann die jungenPrinzessinnen der Reihe nach, gab ihnen ihren Segen und verließden Flügel in derselben einfachen Weise, wie sie ihn betrete» hatte.Anstatt jedoch nach dem zu ihrer Verfügung gestellten Theile deSPalastes zurückzukehren, ging sie in der entgegengesetzten Richtungweiter, bis sie eine Thüre erreichte, wo sie leise anpochte. EineStimme von innen rief „herein" und derselben Folge leistend, be-fand sich die Königin von Castilien allein mit ihrer alten und er-probten Freundin, der Marquisin von Moya. Jsabella verbat sichmit einer ruhigen Handbewegung die gewöhnlichen GhrfurchtSbeweise,und Bcatriz, welche in dieser Hinsicht die Wünsche ihrer Gebieterinkannte, empfing ihren durchlauchtigen Gast beinahe ganz wie eineFreundin von ihrem eigenen Range.
„Wir haben einen so lauten und frohen Tag gehabt, TochterMarquise," begann die Königin, ruhig ihre kleine Silberlampeniedersetzcnd, „daß ich beinahe einer Pflicht vergessen hätte, dienicht außer Acht gelassen werden darf. Dein Neffe, der Graf vonLlera, ist an den Hof zurückgekehrt und benimmt sich so klug undbescheiden, als ob er an dem Ruhme des großen Unternehmenskeinen Theil hätte."
„Sennora, Luis ist hier; aber das Urthcil über seine Klugheitund Bescheidenheit will ich Anderen überlassen, die vielleicht wenigerparteiisch sind."
„Sein Benehmen scheint mir dieses Lob zu verdienen, um somehr, da man einer jugendlichen Seele das Entzücken über einensolchen Ansgang wohl zu gut halten müßte, aber ich komme, ummit Dir von Don Luis und Deiner Mündel zu sprechen. DeinNeffe hat eine herrliche Probe seiner Ausdauer und seines Muthes