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es Dir unbekannt, daß wir nicht einmal Donna Jsabella—die hei-lige Jungfrau sey ihre Schützerin — den Christen als ein Mustervon Heiligkeit zur Nachahmung vorstellen können? Die Jungfrau, vonder Du sprichst, kann nach weltlichen Begriffen tugendhaft und inden Augen der Mutter Kirche doch eine große Sünderin seyn."
„Ich möchte wohl, ehe ich Spanien verlasse, Einen, der keineGlatze trägt — meinetwegen einen Mcndoza oder einen Guzman —etwas der Art andeuten hören, hochwürdiger Prior."
„Du bist hitzig, starrköpfig, und sprichst thöricht, mein Sohn!Was könntest Du einem Guzman, einem Mendoza oder auch nureinem Bobadilla zu sagen haben, wenn er das, was Du erwähnst,behauptete? Aber wer ist die Jungfrau, die in Deinen Gefühlenso tief Wurzel gefaßt zu haben scheint, obgleich ich zweifle, daßDu damit Anerkennung finden wirst?"
„Ja, Du hast Recht, ich sprach thöricht. Unsere Stellungenhaben eine so weite Kluft zwischen uns geöffnet, daß eine solcheGegenrede nicht besonders wahrscheinlich ist; auch kann ich michkeiner Verdienste rühmen, welche sie veranlassen könnten, je ihreshohen Ranges zu vergessen."
„Sie hat doch einen Namen?",
„Das hat fie in der That, Prior, — und einen recht edelnNamen. Ich dachte an Donna Maria de las Mercedes de Val-verde, als mir vorhin die unbedachte Bemerkung entfuhr. Vielleichtkennst Du diesen Sprößling eines erlauchten Hauses?"
Fray Juan Perez, ein Priester ohne Arg, fuhr bei diesemNamen zusammen, blickte mit mitleidiger Theilnahme auf de» Jüng-ling, wandte dann seinen Blick nach den Steinplatten unter ihm undschüttelte lächelnd den Kopf, ^wie Jemand, dessen Gedanken sehr rege find.
„Ich kenne diese Dame in der That," sagte er, „und als ichin Colon'S Angelegenheiten das letztem«! am Hofe war, mußteich, da ihr geistlicher Berather unwohl war, sowohl fie als meinekönigliche Gebieterin Beichte hören. Es ist wahr, daß fie der