Druckschrift 
11 (1846) Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

Sie könnten Dich vielleicht einer solchen Tollheit fähig hal-ten, thenrer Luis, aber gegen mich werden sie schwerlich einensolchen Verdacht aufkommen lassen."

Nein! denn Du bist in der That ein Musterbild von Klug-heit in allen Dingen, welche auf die Gefühle Deines GeliebtenBezug haben."

Luis!" rief das Mädchen wieder, und unwillkührlich ent-quollen Thränen ihren Augen.

Vergib mir, Mercedes, theuerste, theuerste Mercedes! Aberdiese Zögerung und alle diese kalten Vorsichtsmaßregeln machen, daßich meiner selbst vergesse. Es scheint, man hält mich nicht für einenedlen castilianischen Ritter, sondern für einen armen unbekanntenAbenteurer, sonst könnte man mich nicht so behandeln."

Du vergissest, Luis, baß edle castilianische Jungfrauen auchvon edeln castilianischen Rittern keine Besuche ohne Zeugen anzu-nehmen gewohnt sind, und baß wir nur der gnädigen GenehmigungIhrer Hoheit und der Nachsicht meiner Vormünderin, die zufälligauch Deine Tante ist, diese Zusammenkunft verdanken."

Ohne Zeugen? und nennst Du das ein Gespräch ohne Zeu-gen oder eine außerordentliche Gunst von Seiten Ihrer Hoheit,wenn Du siehst, daß wir, ob auch nicht durch das Ohr, so dochdurch das Auge bewacht sind? Ich scheue mich, etwas lauter zusprechen, damit der Ton meiner Stimme nicht die Betrachtungenjener »«ehrlichen Dame störe."

Bei diesen Worten glitt Luis Auge über die Gestalt der Duennaseiner Geliebten hin, welche man durch die offene Thüre in einemanstoßenden Zimmer sitzen und erbauliche Betrachtungen lesen sah.

Ah! Du meinst meine arme Pepita?" antwortete Mercedeslachend, denn die Anwesenheit ihrer Dienerin, an die sic von Ju-gend auf gewöhnt war, legte ihren Geberden und'Worten nichtmehr Zwang auf, als eine'Verdoppelung ihrer selbst, wäre einesolche möglich gewesen, gethan haben würde.Sie hatte allerdings