Druckschrift 
11 (1846) Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

93

da» Versprechen und ich bekräftige dasselbe mit einem heiligenGelübde daß ich bei ihren Lebzeiten nie an dem Altar erscheinenwolle, ohne daß sie meiner Trauung beifällig anwohne, oder wenig-stens, wenn sie durch Krankheit oder sonstige Pflichten daran ver-hindert sey, ihre Einwilligung durch ihre eigene königliche Unter-schrift ertheilt sey."

Beim heiligen Denis von Paris! Ihre Hoheit hat Dero Ein-fluß auf Dein reines und edles Herz sehr gegen mich benützt!"

Dein Name wurde nicht erwähnt, Luis, und würde auch wohli» keiner Weise bei diesem Gespräch in Anregung gekommen seyn,wenn sich nicht meine Gedanken unwillkührlich und ängstlich Dirzugewendet hätten. Was Ihre Hoheit beabsichtigte, ist mir auchjetzt noch unbekannt, aber die Art, wie meine eigenen Gefühle mirDein Bild vorführten, ließ die vielleicht grundlose Vermuthung inmir auskommen, man beabsichtige, eine Verbindung mit Dir ohneDonna Jsabella'S Einwendung zu verhindern; da ich aber vonihrer gütigen Zuneigung und ihrer mütterlichen Gesinnung fürmich innig überzeugt bin, so kann ich nicht zweifeln, daß siemeinen Wünschen willfahren wird, sobald sie nur weiß, daß meineWahl keine unwürdige ist, wenn sie auch manchen altklugen Leutenetwas unverständig erscheinen möchte."

Aber Du denkst, Du fühlst, Mercedes, daß Ihre Hoheit ausFurcht vor mir Dir dieses Gelübde abpreßte?"

Ich fürchtete cs, weil Du, wie ich Dir bereits mit mehr Be-reitwilligkeit, als dem Stolze einer Jungfrau ziemt, zugestandenhabe, in meinem Herzen die Oberhand hattest. Deine ritterlichenThaten an jenem Tage, und die Art, in der jeder Mund DeinenNamen nannte, mochten wohl entschuldigen, daß meine Gedankenbei Deiner Person verweilten."

Mercedes, Du kannst sicher nicht in Abrede ziehen, daß Duglaubst, Ihre Hoheit habe Dir dieses Gelübde aus Furcht vormir abgenüthigt!"