Druckschrift 
11 (1846) Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika
Entstehung
Seite
96
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Ich werde nie etwas in Abrede ziehen, was wahr ist,Don Luis, und Ihr lehrt mich in Zeiten, das »»kluge Zugeständ-niß, welches ich laut werden ließ, zu bereuen. Ich stelle allerdings inAbrede, daß Ihre Hoheit aus Furcht vor Euch sprach, denn ich kannmir nicht denken, daß sie derartige Gefühle gegen Euch hegt.Sie war voll mütterlicher Zärtlichkeit gegen mich, und ich denkedenn ich will nichts verhehlen, was ich wirklich glaube daßBesorgnisse wegen Deiner gewinnenden Eigenschaften sie zu derBefürchtung veranlaßt haben, ob nicht ein verwaistes Mädchen, wieich, eher sich mit ihrer Phantasie, als mit ihrer Vernunft berathcnund einem Manne die Hand reichen möchte, dem die äußerstenGränzen der Erde lieber zu sehn scheinen, als seine edlen Schlösserund seine Heimath."

Und du gedenkst dieses Gelübde zu erfüllen?"

Luis, Du bedenkst nicht, was du sprichst, sonst würdest Dukeine so sündhafte Frage an mich stellen. Welche christliche Jung-frau vergißt je ihrer Gelübde, mögen sie auf einer Pilgerfahrt,eine Buße oder irgend eine andere religiöse Pflichtübung Bezug haben,und warum sollte ich die Erste sepn, die sich eines solchen Unrechtsschuldig machte? Zudem hätte es nicht einmal eines Gelübdes be-durft, da schon der einfache Wunsch aus dem Munde der Königinhingereicht haben würde, mich von jeder Heirath abzuschrecken. Sieist meine Fürstin, meine Gebieterin uud, ich möchte säst sagen, meineMutter, da selbst Donna Beatriz kaum ein größeres Interesse fürmein Wohl an den Tag legt. Nun, Luis, mußt Du auch meineBitte anhören, obgleich ich Deine Einwendungen voraussehe; aberich habe Dich seit Jahren geduldig angehört, und es ist nun anmir, zu sprechen an Dir, zu Horen. Ich glaube, die Königinhatte Dich im Auge bei dem Versprechen, welches ich ihr frei-willig anbot und keineswegs, wie Du anznnehmen scheinst, vonIhrer Hoheit mir abnöihigen ließ. Dann glaube ich auch, daß DonnaJsabella vermuthete, es möchte mir Gefahr bringen, wen» ich