eine solche Aeußerung unklug. Don Fernando ist ein König, undnach dem Wenigen, was ich während meines Aufenthaltes an demHofe gesehen habe, scheint es mir, daß diejenigen, welche die Ange-legenheiten der Sterblichen leiten, auch ihren Fehlern große Zugeständ-nisse machen müssen, wenn die menschliche Verderbtheit nicht selbst dieweisesten Maßregeln, die sich irgend erdenken lassen, vereiteln soll. Undkann man außerdem ein Weib aufrichtig lieben, ohne ihren Gattenzu achten? Mir wenigstens scheint dieses Band so innig und heilig,daß auch die Tugenden und Charaktcrzüge Beider sich nicht voneinander trennen lassen."
„Sicherlich willst Du damit nicht sagen, daß die bescheideneFrömmigkeit, die heilige Wahrheitsliebe, und die einfache Tugendunserer königlichen Gebieterin sich mit der vorsichtigen und schlauenPolitik unseres plänevollen Herrn vergleichen laste?"
„Ich wünsche nicht, zwischen beiden Vergleichungen anzustellen,Luis. Wir sind verpflichtet, sie zu ehren und ihnen zu gehorchen;und wenn Donna Jsabella mehr von der zuversichtlichen Wahrheits-liebe und der HerzenSreinheit ihres Geschlechtes hat, als SeineHoheit, ist das nicht eine gewöhnliche Erscheinung bei Mann undWeib?"
„Wenn ich wirklich denken könnte, Du wolltest mich in irgendeiner Weise diesem knickerigen und doppelzüngigen König von Ara-gon gleichstellen, so würde ich mich, so sehr ich Dich liebe, Mercedes,aus reiner Schaam für immer von Dir zurückziehen."
„Niemand wird Dich für unzuverlässig oder doppelzüngighalten, Luis, denn wie die gegenwärlige Unterhaltung beweist, istes sogar einer Deiner Fehler, daß Du die Wahrheit sagst, wo esvielleicht besser gewesen wäre, zu schweigen, und daß Du Dich gegendiejenigen, welche Dir mißfallen, immer in einer Weise benimmst,als ob Du Deine Lanze gegen sie einlegen und Dein Schlachtroßgegen sie spornen wolltest."
„Mein Benehmen ist sehr unglücklich gewesen, schöne Mercedes,