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durch ihren eigenen Charakter als durch den ihres Neffen bedingt.Sic wusste die wahren Eigenschaften desselben viel besser zu wür-digen, als dieses von bloß oberflächlichen Beobachtern geschah, undgerade bei ihrer Gewissenhaftigkeit hatte fie ihre eigenen Bedenken,ob es auch erlaubt sey, die reiche Erbin, welche ihrer Pflege anver-traut war, einem so nahen Verwandten zu vermählen, wenn einsolcher Schritt nicht allgemeinen Beifall finden mnßie. Auchfürchtete sie, daß ihre Vorliebe für Luis sie irre leiten möchte — daßer vielleicht doch der leichtfertige Mensch sch, als welcher er bis-weilen in den Augen der Castilianer erschien, und daß unter solchenUmständen das Glück ihrer Mündel leicht das Opfer ihrer Unklug-heit werden könnte. Unter dem Einflüsse solcher Zweifel beobachtetesie bei den Bewerbungen ihres Neffen, so wünschenswerth ihr auchim Stillen diese Verbindung Vorkommen mochte, öffentlich eineabgemessene Kälte, und obgleich sie, ohne eine Härte an den Tagzu legen, zu welcher durch die Umstände kein Anlaß geboten wurde —den Verkehr der jungen Leute nicht ganz hindern konnte, so nahmsie doch häufig die Gelegenheit wahr, Mercedes ihr Mißtrauenkund zu thun, wobei sie auch noch die Vorsicht anwandte, denschönen Freier, obgleich derselbe nicht selten in ihrem Hanse wohnte,so wenig als möglich mit ihrer Mündel allein zu lassen.
Die Gefühle der Donna Mercedes waren nur ihr selbst be-kannt. Sie war schön, aus einer angesehenen Familie und eineErbin; und da unter der stattlichen Außenseite des fünfzehnten Jahrhun-derts eben so gut als heut zu Tage menschliche Schwächen ver-borgen Ware», so hörte sie oft die angeblichen Mängel in DonLuis Character von solchen bespötteln, die ihn um seine schöneGestalt und seine glücklichen Verhältnisse beneideten. Wenige jungeFrauen würden den Muth gehabt haben, unter solchen Umständenseine ausschließliche Bevorzugung blicken zu lassen, che sie vorbe-reitet gewesen wäre, ihre Wahl eingestehcn und mit dem Gegen-stand derselben gegen die ganze Welt in Schranken zu treten;