Vielen mochte wohl sein lebhafter Geist als natürlicher Leichtsinnoder Gedankenlosigkeit erscheinen. Seine Mutter stammte aus einersehr angesehenen Familie Frankreichs, und der Nationalstolz hattedie meisten Beobachter zu der Vermuthung veranlaßt, daß derSohn jene Anlage zur Leichtfertigkeit von ihr geerbt habe, welchesich als Grundzug in dem Charactcr des ganzen Volkes Nachweisenließ. Der Jüngling wußte, daß man in der Heimath diese Mei-nung von ihm hege und war gerade deßhalb auf Reisen gegangen,welche ihm bei seiner Rückkehr, wie es allen Reisenden «en Beobach-tungsgabe zu gehen pflegt, die Mängel des heimathlichen geselligenZustandes doppelt empfindlich machten. Die Folge davon war eineEntfremdung zwischen ihm und seine» Jugendgenoffen, welche denjungen Mann immer wieder auf's Neue in die Fremde trieb. Auchkonnte ihn in der That nur seine frühe und sich immer steigerndeLeidenschaft für Mercedes zur Rückkehr veranlassen — ein Schritt,den er glücklicherweise gerade zur rechtcn Zeit gelhan hatte, umbei der Eroberung von Granada noch Mitwirken zu können. Abgesehenjedoch von diesen Zügen, die vielleicht nur in Castilien als Sonder-barkeiten erscheinen mochten, war Don Luis von Bobadilla einseiner Abkunst und seines Namens würdiger Ritter. Seine Tapfer-keit auf dem Schlachdfelde sowohl, als in den Schranken des Tur-nierplatzes halte ihm ungeachtet seiner scheinbaren Mängel einenhohen mililärischen Ruf erworben; auch galt er allgemein eher füreinen unbesonnenen Wagehals als für einen in moralischer Hinsichtanrüchigen Character. Zudem erschienen besonders in dieser Periodekriegerische Vorzüge als ein Deckmantel für tausend Fehler, undman wußte von Don Luis, daß er im Kampsspiele sogar den DonAlonzo de Ojeda, damals die erprobteste Lanze Spaniens, aus demSattel gehoben hatte. Einem solchen Mann konnte wohl keineVerachtung treffen, wenn man ihn auch mit mißtrauischen Augenbeobachtete.
Di« Gefühle der Dame von Mopa waren jedoch eben so sehr