„Don Enriqucz hat Dir seit dem Vertrage von ToroS deGuisando nicht Wort gehalten, Jsabella."
„Mein Bruder ist von schlechten Rathgebern umringt;— unddann, Fernando," fuhr die Prinzessin hocherröthend fort, „dürfenwir beide nicht allzusehr auf jene Uebereinkunfl pochen, denn eSwar eine Bedingung derselben, daß meine Hand nicht ohne dieZustimmung des Königs vergeben werden sollte."
„Er zwang uns zu dieser Maßregel, und hat die Nichtachtungdieses Punktes Niemand anderem, als sich selbst vorzuwerfen."
„Auch ich bemühe mich, die Sache in diesem Lichte zu be-trachten, obgleich ich brünstig zu dem Himmel flehte, daß mir dieserscheinbare Treubruch vergeben werde. Wäre ich abergläubisch,Fernando, so müßte ich fürchten, daß Golt mir um einer Verbin-dung willen zürne, welche im Widerspruche mit solchen Verpflich-tungen eingcgangen wurde. Aber man muß unter den Gründeneinen Unterschied machen, und wir haben ein Recht zu glauben,daß Er, der die Herzen prüft, eine gute Absicht nicht strenge richtenwerde. Hätte Don Enriquez nicht den Versuch gemacht, sich meinerPerson zu bemächtige«, mit der offenen Absicht, mich gegen meinenWillen zu einer Heirath zu nölhigen, so wäre dieser entscheidendeSchritt nicht nöthig geworden, und auch nicht geschehen."
„Ich habe Ursache, meinem Schutzheiligen zu danken, schöneBase, daß Dein Wille weniger nachgiebig war, als die Tyrannenvermutheten."
„Ich hätte mich dem König von Portugal, dem Monsieur deGuienne oder irgend einem Andern, den man mir zu meinem künf-tigen Gemahl vorzuschlagen beliebte, nicht zur Treue verpflichtenkönnen," entgegnete Jsabella mit Offenheit. — „Zwar ziemt esköniglichen, überhaupt cdeln Jungfrauen nicht, ihre eigenen unerfah-renen Launen der Weisheit ihrer Freunde cntgegenzusetzen, und es istkeine schwierige Aufgabe für ein tugendhaftes Weib, ihren Gattenlieben zu lernen, wenn Natur und Neigung durch die Wahl nicht gar