Zweiter Th eil.
I.UI.
Die Seel' Arists entwölkte sich; es schienDer Mond ihm freundlicher, das AbendrothBeglanzte heic'rer seine Stirn; jedochSein Herz blieb keilte Der Turteltauben Girren^Der Nachtigall Licbseufzen rührt ihn nicht.
„Wohl fließen, sprach er zu sich selbst, GedankenIn mich, Gedanken manch Jahrhundert alt,
Der langst verstorbnen, nicht gestorbnen GeisterBeseelen mich; ihr sprecht zu mir, Horaz,
Homer und Plato; cm verborgnes BandZieht von der allsten bis zur neusten ZeitAus Seele sich zu Seele; Glückliche,
Die in die güldne Geisteskette fcst-Gewebt die Schlage des Gehirnes fortUnd fortgeleiten! Dreimal Glückliche,
Die den geheimen feinsten FlammenstrsnrZum Bcssrcn und zum Besten läutcrmIst wohl ein großer unermeßlicherVerstand in der Natur! selbstständigeGedanken stehn vor mir, und doch verknüpftDas Kleinste mir dem Großestcn, gedrängtUnd abgetrcnnt; wie buchstabircn sie,
Doch wer vernimmt den Sinn des Ganzen? WerSah Dir, o Urgeist, in das Angesicht!"
Ein warmer Licht umfing den Zweifelnden;Sein treuer Hund, (er hatte seinen HerrnVerlohrcn schon gewähnt und lang gesucht)
Sprang auf ihn freundlich, bellt ihm Freude zu,Und warf sich festandrückend ihm zu Füßen!
„Wähnst Du allein Dich in der Schöpfung? —
sprach
Der Sonnengenius ihm warmer zu.