Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 16 (1821) Gedichte ; 2
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

68

Herders Gedichte.

Ich schweig' und staune nur, blick auf und nenneOie Sonnen jener Nacht,

Die Welten! und blicke tiefer noch und kenneDen Abgrund seiner Macht,

Die Seelen! mehr als Welten! der in's LebenSie rief, der Gottheit Schein,

Unnennbar, unersetzbar fortzuweben,

Licht in die Nacht zu streun;

Ihm sangen schon die Himmel hohe FülleDes Einklangs der Natur,

Und ungesättigt stand Er, sann' und stilleHaucht' er in Dich sich nur!

In dich, v Seele! Fcire, MenschenseelcDem tiefen Gotteswink,

Und wenn dein Wesen, wenn aus GrabeshöhleMit Schauer Dich umfing

Ein heil'ger Schatte: sähest Bild wie ZügeVon Geistcsangeflcht

Das ging vorüber und des Bildes Züge,

Sein Antlitz sahst du nicht

Und eine Stimme sprach, und tiefes BebenErariff dich: wer bist du,

Den Brunn zu öffnen, wo mit ew'gem StrebenDie Gottheit quellet? du?

Erzittre dcm Gebot! des Ew'gcn SchleierUmwebt mit DunkelheitDer Schöpfung Allerhciligstes, wo FeuerDer Gottheit Flammen streut,