§)ie Trauer um die Tobten und ihre Aeußerungen, mit derenDarstellung sich die nachfolgenden Zeilen beschäftigen, sind inerster Linie ein Ausfluß der Liebe, welche sich dem theurenEntschlafenen gegenüber noch einmal bethätigen und in Wortenund Handlungen dem Gefühl, welches die Brust erfüllt, Aus-druck geben will. Neben der Liebe aber verlangt am Grabeauch der Glaube sein Recht. Von jeher ist unter allen Lebens-ereignisscu neben der Geburt und Eheschließung in die engsteBeziehung zur Religion der Tod gesetzt. Wie man durch reli-giöse Weihung das neugeborene Kind in den Schutz der Gott-heit zu stellen und dadurch vor Unglück zu bewahren, wie manfür den Ehebund die göttliche Gunst zu erwerben suchte, soehrte man auch die Tobten durch feierliche Bestattung, derenArt von den Vorstellungen über den Aufenthaltsort der Ver-storbenen abhängig ist, und glaubte durch gewisse, von denreligiösen Anschauungen bestimmte Ceremonien auf das künftigeGeschick derselben einwirken zu können. Religiöse Vorstellungenaber haben auch auf die Trauer nicht unerheblichen Einstußausgeübt, und dies ist der Punkt, welchen wir in unserer Dar-stellung besonders zu berücksichtigen gedenken. Mit geringenAusnahmen stimmen die Völker der Erde darin überein, daßder Tod als ein Nebel zu betrachten und daher alle, die vonihm weggerafft werden, zu beklagen seien. Als den natürlichstenAusdruck des Schmerzes gab die Natur dem Menschen dieThränen.
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