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VIII. P i n d a r,
Horaz aus eigener Erfahrung meldet, diesem Dä-dalus nachzufliegen ein Wagstück seyn möchte. Ihnhebt und treibt Himmelsluft, und in ihr sein eige-ner, nicht stürmischer, aber starker und erhabenerGeist. Gegen ihn ist Horaz in seinen meisten undbesten Stücken ein fröhlicher Gesellschafter, ein sanf-ter, gefälliger Hausfreund, in andern ein wohlwol-lender Römer, Freund seines Vaterlandes, Rarh-geber zum Frieden, Lehrer der Weisheit und Har-monie eines mäßigen stillen Lebens. Er that, wasseine Zeit von ihm forderte und sein Genius zulicß.Pindar, als ein Held des Gesanges, weckt undführt zum Ruhm, er singet Griechen, die. von Göt-tern und Helden entsproßt waren, er bildet undschafft Helden. Bildnerey, Eidv- und Eido-lopöie möchte man seine lyrische Gattung nennen,wie er denn auch seine Gesänge selbst mit lebendigenredenden Bildsäulen vergleichet.
Nach dem, was geschehen ist, erwartet im an-gekretenen Jahrhundert Den noch ein schöner Kranz,der unserer Sprache eine ächte rbvlhmische Ueberse-tzung Pindars schenket. Eine rhythmische:denn bei einem musikalischen Dichter erreicht die be-ste poetische Prose den Accent und Gang seines Ge-sanges nicht, sie schwebt in einer andern Regionund spricht wie in einer andern Tonleiter. Rhyth-mischen Gang und Accent fordert Pindar; dagegenaber nicht, daß man sich, dem Geiste unserer Spra-che zuwider, seinen Strophen und Metern, seinenSylben - und Versarren sklavisch nnschmiege. FürPindars Sprache und Musik eingerichtet, faßt sieunser Ohr mühsam, behält sie kaum, und in unsrerSprache sie zwanglos auszudrücken, ist fast unmöglich.