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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 10 (1821) Schriften zur griechischen Literatur
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364
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Z64 VIII. Pindar,

in Stämmen, Familien, Städten und Staaten,Erfindungen und Einrichtungen, mithin alles Lob-und Nuhmwerthe, dem der Dichter vergleichen, vondem er ableiten konnte, hervor. Nehmt ihm Götterund Helden der Vorzeit, so nehmt ihr ihm densternenreichen Aether, und gebt ihm dagegen eineunendliche Tiefe, ein unersetzbares Nichts. Olympi-sche, nemeische, pythische, isthmische Spiele, Siegeraus mythischen Gegenden und Geschlechtern, in je-ner sagenreichen Zeit, sich ohne glorreiche Sagen be-sungen und verehrt denken, hieße sie ohne griechischeZunge singen und preisen. Wie aber dieser Preisgeschah, wie jene Sagen ungezogen und genutzt wur-den, das ist die Frage.

Die Antwort daraus ist: eben so verständig alsruhmvoll, eben so edel als weise. Rohe Mythenwerden milde ausgelegt, entweder vcrfeint oder ent-schuldigt. In sanfteren Zügen, in einer höherenSprache, oft der Götter und Helden selbst, tretensie vor, oft ganz verändert; oder ein Epiphonemahebt, rundet und schließt sie, der Geschichte des Sie-gers und seinem Geschlecht ruhmvoll, oder ermun-ternd, warnend, tröstend, ansügend. Bei den mei-sten Oden wissen wir diesen Zusammenhang; bei an-dern dürfen wir ihn sicher voraussetzen oder ahnen.Allenthalben ist der Bote der Götter hörbar, derunter dem Klange der Saiten alte Stammes - undVolkssagen berichtigt, lehrreich macht, anwendctund wendete Schiene auch uns die daraus gezogeneLehre gemein; für uns sang Pindar nicht; unserwar nicht jene Sage. Und doch, wie selten ist siegemein! wie weiß Pindar seine Lehren zu heben,