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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 10 (1821) Schriften zur griechischen Literatur
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354
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VII. Homer

aber war mit Homer verstummt; die alexandrini'schenNachahmer gingen sogar, wo sie aus Ueberbleibselnneu sticken und nähen wollten, in alte, hoch-alte Zeiten. Wie Dämmerung und Mittag floheneinanvcr jederzeit das Epos und die handgreiflicheGeschichte. So selbst bei Homer.Wo liegt Troja?wo lags t Wo stand Priamus Bett? wo das Bett seinerSöhne?" Wo cs in Homer steht; mich kümmert'snicht weiter. Die fleißigsten Forschungen baffe ich,sobald sie mich in die wirkliche Welt aus der bessernverbannen, in der mich der Dichter festhielt.

Höchst lächerlich wird daher Briant mit ei-nem Theil seiner Zweifel. Sey Alles so unwahr,wie er's vorgiebt (und das ist's nicht; wenigstenslag Homers Troja nie in Aegypten); welche unge-heure Macht gehörte dazu, Griechenland glauben zumachen, was es glaubte, indem es den größtenTheil seiner Geschichte an Homer fügte! Wie wahr-scheinlicher hingegen, daß das Epos, seinem Na-men nach, in das reiche Behältniß alter Traditionen,die Volkssage, gegriffen und daher gewählt hatte.Borschreiben konnte hiebei dem epischen Sänger nie-mand, was und wieviel er wählen sollte. Kein Eon-lroleur stand vor ihm mit Rollen der Mächte undSchiffe und Mannschaft Griechenlands, die an diephrygische Küste gezogen waren. Den Kalender derLebensjahre Helena's und ihrer Mutter Leda, auchder Eischale, aus der jene entsprungen war, hatteniemand zur Hand. Aus der a l ten Tra d i k i o nnahm der Dichter, und durfte aus ihr frei dichten;als Homer und -Rhapsode (beide Namen sind