3o6 VI. Homer,
ihm nur Redort. Seine eignen Darstellungen sindallesammt von der Unform gesondert, rein göttlichund menschlich.
Lasset uns sehen, wie auf diesem Wege, vhn'alle Regel und Vorschrift des Aristoteles, derUmriß einer Homerischen Epopee, alsBegriff und Werk, entstehen mußte.
Alle Sagen (sn-y) nämlich , sie betreffen Götteröder Helden, gehen unausgebildet ins Unendliche fort-Sie knüpfen und hangen sich an, oder sie lösen sichvon einander, ohne nähern Zweck, in unermeßlichenWeiten. Wahrscheinlich waren die alten griechischenSagen, die Tkeogonieen und Kosmogonicen, die He-rakliden und Thcseiden, die Argonautischcn und Cy-prischen Gedichte, selbst der trojanische Krieg, unddie Irren der Helden im weiten unendlichen Meer,dergestalt unumschriebcneAbe ntheucr und Sa gen.Nolhwendig aber mußte es einem glücklichen Sänger(wer der auch gewesen seyn möge), einfallen, dieserUnendlichkeit Umriß, diesen Begebenheiten Formzu geben, und zwar auf,die leichtesteWeise;wozu ihn dann mehrere Ursachen und Umstände ein-lude».
Zuerst. Nicht alle Momente einer Begeben-heit oder eines lang fortgeführten Abentheuers konn-ten für den Hörer gleich anziehend und unterhaltendsevn. Um die interessantesten vcrsammlete sich dieMenge; sie hielten die Aufmerksamkeit mit wachsen-dem Vergnügen fest. Also wurden Gesänge dieserArt mehr gesungen; natürlich also dcr Sänger auchauf die Ausbildung derselben als auf das glücklicheMoment einer Haupthandlung geleitet.