über das griechische Epigramm. 243
zeichne jeden edeln Geist, jede schöne That, die ihnrührte, mit Einfalt und Würde aus; das kleineEpigramm, das er einem Helden der Menschheit anden Fuß seiner Bildsäule schrieb, hat er damit auchin sein Herz geschrieben. Die klare Exposition warfür seinen Verstand, der Stachel derselben für seinGefühl, gleichsam ein Säamenkorn in seine Seele.Die würdigsten Männer der vorigen Jahrhunderteseit Wiederauflebung der Wissenschaften liebten der-gleichen Auszeichnungen; ich weiß nicht, warum wiran ihnen erschöpft sind? denn die edelsten Woblthä-ter unsres Vaterlandes liegen auch in diesem Ver-stände ohne Kränze und Stela, unbegraben.
Insonderheit sind Gegenstände der Kunstdes Epigramms in der besten griechischen Art wür-dig ; und wie viele schöne Stücke des Alterthumssind da, die, wenn man sie mit einigem Gefühl an-sieht, die zarteste Inschrift uns gleichsam zuhauchen!Glücklich ist der Jüngling, dem das Schicksal einenLehrer schenkt, der hier sein Auge und seinen Ver-stand leitet. Er zeigt ihm, wörauf es der Künstleranlegte? worin seine Seele, die längst im Schatten-reich ist, noch jetzt aus seinen Werken zu uns spte-che? Der Funke, der in des Meisters Gemüth qlü-hete, wird der Helle Punkt, der auch im Lehrlingszündet und die Weisheit des ganzen dastehendenWerks beleuchtet.
Kleine Inschriften dieser Art mit klären, be-stimmten Zügen sind mehr werth, als lange Abhand-lungen voll allegorischer Gelehrsamkeit oder als Lob-jauchzungen voll Wolken, Blitze und Nebel. Mit
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