222 IV. Anmerkung en
Die letzte Gattung des Sinngedichts mag dierasche oder flüchtige heißen. Unerwartettreffen zwei Gedanken zusammen und lösen einanderauf; zwo Materien brausen in einander und essprühet ein Funke.
Diese Gattung liebt Kürze und einen leichtenVortrag; hier Frage und Antwort, dort einen Spottund lachenden Ausruf. Auch die Griechen habenschöne Stücke dieser Art, die Neuern noch mehr undunter unser» Epigrammatisten find, dünkt mich, Le-tz in g und Kästner in dieser Art Meister. Hierist der Ausgang des Epigramms eine eigentlicheSpitze oder Pointe; welchen Namen die Fran-zosen , deren Sprache und gesellschaftlicher Witz die-se Gattung vorzüglich liebet, dem Ausgange desihnen gewöhnlichsten Epigramms gaben,da sie die sanfter» Arten desselben lieber in ein Lied,in eine Stanze, in ein Sonnet oder Madrigal klei-den mochten.
Nichts ist der Wirkung dieser leichten und lo-sen Schaar von Einfällen mehr zuwiedec, als einlangweiliger Vortrag; denn wer wird eineAlpenreise unternehmen, um den Schwärmer zu se-hen, der einem Zuschauer leichtfertig vor die Stirnfahrt? oder wer wird die Biene artig finden, diestatt des Stachels mit einem Feuerhacken auf unszukommt? Die griechischen Epigramme dieser Artfind also auch die kürzesten; und es ist angenehmwahrzunehmen, wie mancher Neuere griechischen Witzsagte, ohne daß ec die Griechen kannte. Der wahreWitz nämlich ist überall derselben auch'die Art, wieer am besten gesagt wird, wicderlM sich, in allen