über das griechische Epigramm. 21Z
sprach zwischen dem Wanderer und ihm gedich-tet. *) L 7 der man zog die Lehre wenigstens aus ei-nem seltner» Fall, den man epigrammatischerzählte; die Lehre selbst ward kurz, ausgesucht, an-nebmlich vorgctragen und mit dem Gepräge einermenschlichen Empfindung bezeichnet.**) Findensich eins oder mehrere dieser Stücke in einer glückli-chen Anwendung; warum sollte man nicht einekleine epigrammatische Fabel, eine lehrende Geschich-te, ein niedliches Emblem , das uns in wenigen Rei-hen mit seinem Sinnspruch ^ gegenwärtig gemach!wird , gern lesen?
Ich hatte also Lust, diese Gattung das Para-digma t i s c h e oder Exempel -Epigramm zunennen: denn ein Beispiel mit seiner Lehre ist'sdoch immer, woraus es hinausläuft. Nur muß diesBeispiel, d. i. der erzählte Fall oder das lehrendeBild uns gegenwärtig gemacht werden: dennheißt es blos: „es war einmal", so ist's kein
Epigramm mehr, sondern eine Fabel, und wenndie Erzählung gar keine Lehre in sich faßt, ein müs-siges Mährchen. So ist's auch mit dem Emblem,dem Bilde und Gleichniß. Wird dies blos erzählt,z. B. „wie die Schifffahrt auf dem Meer, so dasLeben der Menschen", so ist's, trotz aller epigram-matischen Wendung nur ein Gleichniß; stehet das
*) Bl. I. Buch: der vertrocknete Quell am Grabe.Der Adler aus dem Grabe. VH. B. der la-chende Satyr.
**) Bl. II. B. die belohnte Wohlthat. III. D. Bilddes Amors. V. B. das Gold und der Strick, u,' s. w-