über das griechische Epigramm. 207
Uebcr Geschmack und Gefühl lasst 'sich nichtstreiten; ich bekenne aber, dass manche dieser simpelnExpositionen für mich viel mehr Rührendes und Rei-zendes haben, als die geschraubte epigrammatischeSpitzfindigkeit spaterer Zeiten. Dort sprechen Sa-chen statt der Worte; die Worte sind nur da, jenevorzuzeigen und mit dem Siegel einer stummen Em-pfindung, wie mit dem Finger der Andacht oder derLiebe zu bezeichnen.
Beispiele werden auch hier das Beste thun unddie Anthologie ist voll derselben.
Wenn Sa pp ho einem armen Fischer die Grab-schrift setzt:*)
„Dem Fischer Pelagon hat hier sein Vater Me-niskus Ruder und Reisig hingesetzt, cinDenk-
„mal seines mühseligen Lebens."
welches sinnreichern Schlusses bedürfte das Epigrammweiter? Das arme Denkmal auf dem Grabe sprichtstatt aller Worte, so daß die Zunge der Dichterinnur eine Dollmetschcrin dessen seyn darf, was dasSymbol selbst zum Gedachtniß des Tobten und sei-nes mühseligen Lebens und der Empfindungen seinesihn überlebenden armen Vaters sagen wollte. —
Wenn eben diese Sappho einer verstorbenenBraut die Erabschrift setzt:**)
*) Lrunclc snslect. I'. I. p. gg.
**) idiä.