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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 10 (1821) Schriften zur griechischen Literatur
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193
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über die Anthologie der Griechen rc.

aus uns rede; auch hierin, wie in Manchen an-dern, ist die Poesie eine Schwester der griechischenKunst. Sowohl zur Hervorbringung als zum Ge-nuß beider ist jene Ruhe, jenes stille Mitgefühl, km;eine sanftuinschriebene heitere Existenz nöthig: dennes ist der unerreichte Vorzug der griechischen Kunstund Dichtkunst, daß beide gleichsam nur für sichdastehn, und wie die Werke der Natur sich in ihremInnern genießen. Die Sprache der Kunst, dasEpigramm, konnte von keiner andern Art seyn:in seinen schönsten Stücken stehet es eben so beschei-den da, in sich vollendet und glücklich.

Auch bei der Wahl der Gegenstände zeigt sichdies sanfte Gefühl der Menschlichkeit, das ein glei-ches Mitgefühl fordert. Wie schöne Epigramme hatdie Kindes - und Mutterliebe gedichtet! wie zart em-pfunden ist das Schicksal des Menschen in seinem kur-zen und wandelbaren Leben, endlich in seinem Abschiedevon allem, was ihn liebte! Selbst wo diese einzel-nen Stimmen nur Sentenzen sind, rühren sie durchihre traurige Wahrheit, wie die Stimme der Nach-tigall auf einem Grabe. Allem thcilt sich dies Ge-fühl der Humanität mit, allem, was den Menschenumgiebt, was ihn erfreuet oder quält, was ihn lehrt,oder was ihm dienet- .Der Vogel und der Delphin,die Henne und die Eicada, die Biene und ihre Roseempfangen den Gruß des Epigramms; selbst unbe-lebte Wesen werdur mit Liebe belebet. Für densanftcrn Menschen sind also diese kleinen Gedichteeine Schule geselliger Empfindung, und wie man-ches hätten wir auch sonst in den besten derselbm zulernen!

Herders Werke z. schön. Lit. u. Kunst. X. N t-e-cck. Ille.