über die Anthologie dcr Griechen rc. iL5
auf Kunstwerke * **) ), deren viele so ausdrückcnd, feinund zart sind, daß in ihnen der Dichter mit demKünstler oft zu wetteifern scheinet. Gr wetteifertnicht; der Dichter geht nur dem Künstler nach, in-dem er sein Werk entweder mit einem scharfsinnigenGedanken ins Licht stellet, oder genau mit der Em-pfindung zu bezeichnen sucht, die der Künstler erre-gen wollte. Alle Epigrammen auf Statuen der Göt-ter, der Helden, der Dichter, der Weifen gehörenzu dieser Art; insonderheit scheint die zarte, einfacheVorstellung dcr Gemme das Epigramm zu lieben.Es ist ein und derselbe Sinn, dcr diese Kunstwerkeund ihre Exposition in Worten hervocbrachte, beidealso auch mit einem Siegel anmuthiger Einfalt be-zeichnet. Ohne das schöne Symbol der Jungfrauauf Sophokles Grabe*) wäre dasGespräch nicht ent-standen, das den Nuhm und die Kunst des Dichtersso fein lobet, so trefflich schildert. Der Jupiter desPhidias, die Bildsäule der Niobe und Venus, dieKuh des Myrons, und so viele' andere Kunstwerke,brachten jene zahlreichen Wendungen hervor, mitdenen sie in der Anthologie fast bis zum Uebermaaßgelobt sind. Was von dcr bildenden Kunst gilt, gilt
*) Dle schönsten derselben wird der Verfolg liefern,wiewohl auch schon einigen Epigrammen diesesLheiles offenbar Gemahlde, Gemmen oder Sta-tuen vorliegcn.
**) S. 62. Die Ausleger haben einen Bacchus stattder Jungfrau dahin gebracht, wodurch die Schön-heit des Epigramms verloren gehr, und wovonder Text nichts saget.