über die Anthologie der Griechen w. 181
lese oder höre; wir sprechen, wir schreiben, gleichsamnur um Besitz von der Sache zu nehmen, >mduns unscrs Genusses zu vergewissern.
Ich genieße z. B. einen schönen Baum, einereizende Gegend; warum spreche ich mit diesemBaum? was zwingt meine Hand, cs auch denen,die nicht mit mir sind, zu melden? Der Baumhört mich nicht: den Abwesenden, dem ich den Reizder Gegend beschreibe, interessirt sie nur sehr vonfern; und doch ist in uns die Neigung da, unserVergnügen zur Sprache zu briirgen, und dies klareBild andern mitzutbcilen. Woher dieser Trieb? undwozu legte ihn die Natur in das Herz des Men-schen? Sein Ursprung zeigt seinen Zweck und derZweck seinen Ursprung. Durch die Worte nämlichgewinnet unsere Empfindung gleichsam Form undGestalt: unser Gefühl wird durch sie ein helleres
Bild; dieß vermehrt und verfcint, ja gewisserma-ßen es verewigt unser Vergnügen, weil nur durchdiese hellere Zeichen eine Erneuerung und Reproduo-tion desselben statt findet. Dieß, dünkt mich, sinddie Zwecke dieses Triebes für uns selbst; dis Zwe-cke für andere fallcn mehr ins Auge. Bald ist esGeselligkeit und Freundschaft, bald die süße Lust desRuhmes, bald ist's die Absicht, durch eine angeneh-me Idee des andern. Weisheit oder Freude zu ver-mehren — lauter Empfindungen, die sich zulctzt indas sanfte, aber sehr mannigfaltige Gefühl der Sn m-pat hjc und P hil a.nthr op i e verlieren. ZweeNalso und zwar den tiefsten und' edelsten Trieben imMenschen, der Neigung nämlich seine Ideen zu erhel-len und zu erwei tc r », sodann seine Gedanken und