VIII Vorrede.
begriffen haben, wir dann in unserm Beurthcilengern den Schulmeister spielen und den Schulstabüber das Haupt eines Schriftstellers, sey er noch sogeistreich, hoch schwingen. Die Hcrdersche Samm-lung ist nicht ganz von allem Tadel frey; es giebtStellen, in denen man das Deutsche aus dem Grie-chischen deutlicher machen muß. Nicht zu gedenken,daß es Falle giebt, wo man erst den Verstand durchkritische Hülfe im Original feststellen muß. Alleinleichte Gedichtchen sollten mit Geschmack gefühlet,aber nicht der Dichter mit der Zuchtruthe behandeltwerden. Was Herder zu liefern gedachte, solltenkeine mühsam gepflanzte und gepflegte Fruchtbaumeseyn; es sind kleine Feld - und Gartenblümchen, diedurch ihre heitere, kunstlose Unschuld an sich ziehen.Mag es seyn, daß dem Geschmack anderer solchekunstmaßig gedrechselte Wortübersetzungcn mehr be-hagen, die zu verstehen man erst das Griechischezur Seite legen und aus ihm das Dc tsche nach-construiren muß; cs laßt sich auch wohl für dieseetwas sagen; zumal in größern Stücken, jedem an-dern lasse man nur auch seinen Werth in seiner Art.Die Leichtigkeit des Griechischen erreichen wir dochnicht ganz, und mit allem unserm Treiben sind undwerden wir keine Griechen.
Dem Aufsatz über das griechische Epi-gramm gestehe ich einen eigenen Werth zu, weiler die von Lcssing blos nach dem modernen Sinn-gedichte gebildete Bestimmung des Epigramms in