Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

das Kamcralamt und kam doppelt glückselig und freudestrahlendwieder, denn er hatte in der Stadt gehört, daß fortan auch dieadeligen Gutsherren unter dein Schultheiß stehen wie jeder andere.

Jetzt bin ich so viel wie ein Baron und ich schaff mir jetztfür unser Käppele eine Elock an, ich dars's jetzt so gut wie einBaron i ich brauch Niemand darum anfragcn," sagte der Fur-chcnbauer zu seiner Frau und seinen Kindern und strich sich be-haglich mit der breiten Hand über seine rothe Brustwestc. Erging lächelnd und behende durch Ställe und Scheunen, auf dieFelder und in den Wald und betrachtete Alles neu, als grüßteer's erst jetzt als sein rechtes Eigenthum. Vinzenz zuckte mit demeinen Auge als der Vater am Abend zu ihm und Alban sagte:

„Ihr Buben krieget's bester als wir's gehabt haben, ihrseid Freiherren."

„Ja, und jetzt darf man mit dein Hof schalten und waltenwie man will," setzte Vinzenz hinzu.

„Vor der Hand bleib Ich noch ein'Zeitlang Freiherr, Punk-tum," schloß der Vater und keiner der Söhne wagte mehr einWort zu reden; sie mußten es schon als eine Gnade ansehcn,daß der Vater so viel mit ihnen gesprochen hatte.

„Der Professor auf der Volksversammlung hat Recht ge-habt," sagte Alban halb für sich, „es darf keine Grundherrenmehr geben, nur noch einen Himmelsherrn."

Der alte Furchenbauer antwortete nichts hierauf. —

So lange schon dieser Boden die nährende Frucht hcrvor-bringt und von Geschlecht zu Geschlecht sättigt, wurde gewißnoch nie freudiger die Sichel gehandhabt als in diesen: Jahre,und der erste Garbenwagcn, den Dominik vierspännig in denHof cinführte, war bekränzt und ihm nach jauchzten die Schnitterund Schnitterinnen. Alban hätte gerne den ersten Garbenwagcnunter dem Gesänge aller Arbeitenden in den Hof geleitet, aberdas ging jetzt in der hohen Ernte nicht an. Wenn auch dasWetter ständig schien, durfte man doch keine Minute Zeit ver-lieren ; denn nur was man glücklich unter Dach oder in Feimeund Stadel hat, darf man erst recht sein eigen nennen. Ter