Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
387
Einzelbild herunterladen
 

3 8?

der Ebräi sehen Poesie.

wir thäten jetzt, als ob wir nichrS davon aelesen!Alle Ausdrücke, die hier Vorkommen, kommen auchsonst von David vor, und die ganze Absicht desLiedes, der Zweck, wozu es damals verfasset wor-den, ist offenbar local- und zcitmäßig. Na-tionen rüsten sich zum Kriege: sie werden geschrecktund gerufen: ihnen wird kurze Bedenkzeit gegeben wer sichet nicht, daß der Nerve des Bogens ge-spannt scy, damit der Pfeil nach einem gegen-wärtigen Ziele fliege? Setzt dies ohne veranlas-sende Zeilumsiände über Jahrtausende hinaus undder Bogen ist schlaff, der Pfkil verfliegt in die Lüste.Die schönste lyrische Consirnction des andringcndstenGesanges ist verloren, wenn seine Züge über Wel-ten und Zeiten aus einander geschwemmt werden,und man ihm seinen Localursprung, seine ersten ei-genihümlichen Zwecke und Bedeutung raubt.

Aber der Psalm ist im N. T. angeführt wor-den ? " Wohl! als KöNigSpsalm, von dem, derauf dem Throne Davids saß und in Ewigkeitdarauf sitzen sollte. Müssen wir also nicht wissen,wie David darauf gethront habe? und können wirdies anders, als aus Umstanden seiner Zeit, ausZügen seiner Gesänge kennen lernen ? Die letzteAnwendung schließt jene erste frühere Bedeutung sowenig aus, daß sie sie vielmehr voraussetzt und neubestätigt.

5. Da David also mit Gott auf Einem heili-gen Berge, d. j. einem Berge königlicher Hoheit,an seiner Stelle und auf seinem Throne thronte,so wurden daher Ausdrücke der Psalmen, die ihn

B b 2