der Ebräischen Poesie. 32 --
Morgenländer bei ihren Religionsübungen und Ge-beten fordern: jenes stille Anstürmen Gottes undseiner Werke, das sich bald zur Entzückung hebt,bald zur tiefsten Unterwerfung herabsenket. DerGesang eilt von Spruch zu Spruch, wie von Ge-birge zu Gebirge: er berührt schnell, aber tief, undwiederholt die Berührung lieber: er mahlt seineGegenstände im Fluge. Alle Lieder voll Hirtenun-schuld und Schäfer-Empfindung wollen eine stilleund ruhige Seele; auf ein »erkünsteltes, spottendesGemüth kann keine seiner Schönheiten wirken. Somahlt der Himmel sich nur im Hellen Meere: sosieht man jede kleine Welle der Empfindung imruhigen See sich kreisen.
Es wäre unbillig, hier den Namen des Man-nes zu verschweigen, der uns Deutsche zuerst demwahren Ton des ebräischen Psalms naher gebrachthat, Klop stock. Die simpelsten seiner Oden,insonderheit in aufgelösten Zeilen, sind Töne ausDavids Harfe: viele seiner Lieder und die kunstlo-sesten Gesänge der Empfindung in seinem Messiashaben unsrer Sprache eine Einfalt und Wahrheitdes lyrischen Gesanges eigen gemacht, die wir beiunfern glänzenden Nachbarn vergeblich suchen dürf-ten. Dein Gesang erfreue dich selbst, du Assaph«nsers Volks! Dein lyrischer Genius überlebe dichund bringe für unsre Nation, wenn cs sein kann,bald einen königlichen Sauger voll That und An-stalt Davids aus alten Gräbern wieder i