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Vom Geist
Materie selbst leidet wenig Vergleichung; und cSist Trugschluß, wenn man sich durch das WortEhöre blenden laßt. Ein ebräischer und griechischerEher sind gar nicht einerlei Sache.
6. Noch weniger also beurtheile man Davidnach dem Gerüste lyrischer Regeln, das unsre Zeitaufgebaut hat und das nicht einmal auf alle Odendes Horaz passet, von dem doch diese Regeln abgezogenscyn wollen. Meistens war's enger Blick des Kunst-richters , der, mit den lyrischen Schätzen mehrererSprachen bei weitem nicht bekannt, sich an einigeseiner Licblingsstücke hielt, und nach ihnen diesGerüst auffchlug. Was solls nun für eine ganzandre Zeit? für eine viel einfachere Situation undSprache? Wo die Regeln wahr sind, fließen sie ausder Natur der Empfindung und Beherzigung desbesungenen Gegenstandes; jedesmal aber fließenCharakterzüge des Sängers, der Situation undSprache mit ein. Sie wollen also immer lebendigeund doch nur Theil - Anwendung; kurz, wo siewahr sind, wer wird sie nicht lieber selbst in einemGesänge originell empfinden und sich entwickeln, alssie von fremden Mustern und Poetiken betteln,und die Ureinsalt des alten Gesanges durch die er-künstelte Spitzfindigkeit eines neuern lyrischen Mach-werks zerstören? Wer nicht fähig ist, die Schön-heit einer musikalischen Poesie durch sich zu fühlen,wird sie durch allen Regelnzwang nicht fühlen lernen.
7. Also entwickle man die Lieder der Ebräerin ihrer ursprünglichen Natur und Schönheit, derLehrer mache den Schüler aufmerksam: welcher Ge-genstand? mit welchem Interesse? wie er besungen