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der Ebraischen Poesie.
5. Auch in Absicht der Kunst nehme man keinBeispiel einer andern Nation und Sprache zumMuster; denn die Eomposilion eines Gesanges willaus der eignen Natur der Empfindungen, Gesin-nungen und Sprache geschätzt werden, in der sieerwachsen ist. Was will cs sagen, wenn man die-sen oder jenen Psalm pindarisch nennet? Daß inihm kühne Uebcrgange, große Sentenzen, Züge ausder Geschichte sind? in welchem Lobgesange müßtedasselbe nicht statt finden? Mehrereü aber hatDavid mit Pindar, in Absicht auf Kunstkomposi-tion nichts gemein. Pindars lyrische Sprache, seinePerioden und Sylbenmaaße, die Behandlung derMaterie aus Mythologie und alter Geschichte, die
lebte Israel eingeschränkt seyn? Sollte es nichteine höhere, weitere und geistige Anwendung der-selben geben, welche die christliche Kirche zu al-len Zeiten gebraucht hat? — Ich glaube, manthut dem Verfasser Unrecht, wenn man behaup-ten will, er habe mit dem hier (und in der fol-genden Note e) gesagten, dieses verneinen wol-len; daß er selbst diese weitere Anwendung, undwie er sie gestattete, erhellt aus dem folgendenAbschnitte (bei Z. r. 2.) — Es giebt ei» VolkGottes das nicht dem Fleische nach diesen Namenrrägt, aber es im Geiste und in der Wahrheitist. Diesem sind die Psalmen immer noch, da esmit den Verfassern derselben in Zutrauen undLiebe zu ihrem Gott sympathisiret, lebendigeHerzenssprache; immer noch sind sie die Stim-men des rechten geistigen Zions.
Herders Werke z. Rel. u. Lheol. II. U