Z04 Vom Geist
nützliches Buch; billig sollten es wir über alle Haupt-schrifstellcr des A. T. haben.
4. Den Empfindungen, die in den Psalmenherrschen, trete man weder als Feind entgegen, nochals blinder Verthcidiger vor, sie sind Eharakterzügeeinzelner Menschen, und müssen als solche erklärtwerden, ohne daß man sie sogleich als Muster hei-liger Empfindungen in alle Welt verschwemmen dürf-te David hatte seine Affekten und Sorgen alsFlüchtling und als König: wir sind, keins von bei-den, dürfen also weder Feinde verwünschen, diewir nicht haben, noch gegen sie als Sieger groß-thun; aber verstehen und schätzen müssen wir dieseEmpfindungen lernen. Die Schrift giebt uns einenreichen Aufschluß darüber: denn sic verhehlt DavidsEharakter auch in seinen Fehlern nicht. Der Mann,der gegen Urias und Bathscba sündigte, kann sichauch in Worten übereilen: er war rasch, bedrängtund ein Krieger: er sprach oft nicht in seinem,
sondern in seines Volkes Namen, als Landesvater.Immer aber war er ein Mensch: die Lieder sindein Documcnt seiner Geschichte, die Geschichte einDokument seiner Lieder; wer alles in überirdischemGlanze sehen will, sieht zuletzt gar nichts*).
S.
*) (Anmerk. d. Herauäg.) Gewiß sehr wahr,wenn man die Psalmen bloß in ihrem erstennächsten, also auch engsten Sinne betrachtet.Sollte aber wirklich ihr religiöser Gebrauch nuraufJsrael, und zwar bloß auf das damalige,mit Stadt, Gesetz und Tempel langst ver-lebte,