Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

3n2

Vom Geist

als das Psalmbuch. Wie David zu seiner Zeit seineEmpfindungen allgemein und seine Gesangweise zurherrschenden im Tempel machte: so sollte das Buchauch ein Gesangbuch aller Zeiten , aller Völker undHerzen seyn, die weder mit dem Geiste noch mitden Geschäften Davids Zusammenhang hatten; undwie nun anders, als daß es einem großen Theilenach im Sinne erweitert, in Gegenständen undEmpfindungen von seinem Ursprünge weggclcitetwurde? Jeder Commentator, jeder neue Reimerfand seine Zeit, die Bedürfnisse seiner Seele, seinHaus- und Familienwesen darin und so gab erSwohl gar seiner Kirche zu singen und zu lesen.Diese sang alle Psalmen Davids, als ob jedes ihrerMitglieder auf den Bergen Judahs herumirrte, undvon Saul verfolgt würde. Sie sang gegen Doegund Ahitophel, fluchte den Edomitern und Moabi-tern; ja wo man nicht weiter konnte, legte mandie Verwünschungen dem in den Mund, der nieschalt, da er gescholten ward, nie drauete, da erlitte. Man lese die individuellsten, die charakteri-stisch - schönsten Lieder von David, Assaph, Korahin manchen Ncimgcbetcn; kehre alsdenn zur erstenSituation und Quelle zurück: ist oft noch einSchatte der alten Gestalc zu finden?

Um also einigen Anblick der Psalmen als lyri-scher Poesie aus Davids Zeit zu geben, sind fol-gende Stücke durchaus nöthig:

i. Man vergesse alle neuere Nachbildungen undEommentatoren; auch wenn es die gepriesensten, diebesten für ihre Zeit waren. Sie lasen ihrem Zweckegemäß für ihre Zeit; mit Anwendung des Psalms