der Ebrai sehen Poesie. 293
vertrat ihn (selbst durch UnMhrheiten, die auf sei-nen Kopf hatten kommen dürfen) bei seinem Va-ter. Ehre und Leben setzte er in Gefahr: er machtesich nichts daraus, daß man glaubte, er gebe ausSchlaffheit den Thron auf, und daß ihn sein Va-ter einen Niederträchtigen nannte, da er doch wahr-lich ein Held war! — Noch sehe ich sie, wie sieunter dem Angesichte des Himmels, unter Küssenund Thräncn ihren ewigen Bund beschwörend): ichsehe Jonathan, wie er nach langer Entfernung zuseinem Freunde in die Wüste kommt und ihm Muthzuspricht und sagtZ): „fürchte dich nicht, David:„meines Vaters Hand wird dich nicht finden. Du„wirst König werden über Israel, so will ich als-„dann der Nächste nach dir seyn." — HeroischeFreundschaft! Er opfert seinem Geliebten den Thronauf, um als Freund der nächste um ihn zu bleiben!Nur poetische Zeiten und seltne, wie JonathansSeelen, sind eines solchen Bundes der Liebe undTreue fähig. Als Jonathan starb und seinemFreunde den Thron ließ: was konnte ihm dieserfür alles, was er ihm erwiesen hatte, geben, als— eine Elegie auf sein Grab: eine Elegie, in der,so schön sie ist, Sauls und Jonathans Andenkenso vereint leben, als ob sie beide gleiches Recht aufsein Herz gehabt hatten! Ich weiß wohl, sie warfürs Volk geschrieben ü); aber ich für mich wünschte,daß sie für David allein, für Jonathan allein, undnicht für Saul und das Volk geschrieben wäre.
k) 1 Sam. 20, hi.t>) 2 Sam. 1, 17. 18.
Z) 1 Sam. sZ, 16.