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Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
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der Ebräi.schen Poesie. 287

nicht gefallen? Sowohl der Sprechende als derHörende freut sich; jener, weil er erfindet, dieser,weil er in einen; geliebten Gewände einen neuenFreund bekommt, d. i. in einem alten bekanntenAusdrucke einen neuen Gedanken. So brauchendie Propheten alte Bilder der Vatersprüche undPsalmen: so brauchen neuere Ebraer die WorteAller in einem neuen Sinne, aber im schönen Ne-bel desselben Ausdrucks. Ihre poetische Sprache,die mitAuSdrücken der Bibel redet, ist, wenn manwill, nichts als Wortspiel; aber oft wie fein! wiereizend für den, der für die Einfalt ältester Zeit, dieauf solche Weise in einem feineren Schmucke er-scheint, Sinn hat! Ich wünschte, daß mehrereihrer Poesien unsrer Sprache bekannt würden, alsbisher bekannt sind; meine Meinung würde sich beivielen bestätigt finden. Doch genug hievon; ichkomme wieder zum Texte der Simsonischen Zeiten.

Sie waren nichts minder als glückliche Zeiten.Ocftere Streifereien benachbarter Völker beunruhig-ten das Land; ja zuletzt rottete eine scheußliche Un-thatx) in einem Bürgerkriege beinahe einen ganzenStamm aus. Oft drückte Hunger das Land; undeine dergleichen Theurung hat uns die schön-erzählteFamiliengeschichte der Ruth geschenkct. Zu Eli Zeiten

») Richter ig, 20. Rousseau hat die schauerlicheUnthat in ein Poem gebracht; der Levit vonEphraim; auch eine der darstellendsten Predig-ten von Sterne ist über diese Geschichte,