der Ebräi sehen Poesie.
282
sich aus dem Gebrauche der Wortspiele in neuernSprachen denkt; jene war von einem ganz andernBaue und die Anspielungen hatten in ihr eine an-dre Absicht, Sie hatten keine Reime; aber Asso-nanzen, Alliterationen liebten sie sehr, auf die sieder Parallelismus natürlich führte. Was ist nungeistiger, was verständiger? Der Reim, der einWortspiel blos fürs Ohr ist; oder die veränderteÄhnlichkeit eines Schalles mit dem Sinne, da dasneue Wort, wie Pope sagt, ecRo ro ilis ssnsswird? Wie schöne Wirkungen machts, wenn auchin unscrn -Reimen oder bei Sprüchwörtern, Gegen-sätzen , Gleichnissen, Bildern die Ähnlichkeit oderVerschiedenheit der Begriffe sich auch in einem un-gesuchten, ähnlichen Worte finden! Selbst in derPhilosophie sind dergleichen glückliche Ausdrücke vongroßem Nachdrucke: sie heften den bemerkten Un-terschied oder die Ähnlichkeit auch durchs Wort indie Seele. Im Vortrage des Witzes oder des Scharf-sinnes sind sie noch mehr an ihrem Orte; und solange eine Nation sinnlich denkt, so lange sie dieSprache in Mund und Ohr, nicht in Buchstabenund Augen mir sich tragt, sind ihr dergleichenSchälle, als Stimmen der Erinnerung, so ange-nehm als unentbehrlich. Daher bei allen Völkern,die keine oder wenige Bücher haben, jene Liebha-berei an Assonanzen und Wortwitz- daher bei ihneninsonderheit jene nachdrückliche, richtige Kürze, jenerschnelle, unvergeßliche Ausdruck, den die Maler derBuchstaben nie erreichen. So thöricht und lächer-lich cs sepn würde, den Geschmack der ebraischenSprache in der unfern nachzuahmen, die von einemandern Bau ist und auf einer andern Stufe der