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Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
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Vom Geist

Der Götter und Menschen fröhlich macht,

Und hingehn, daß ich über den Bäumen schwebe?

Da sprachen alle Baume zum Dornbusch:Komm du, sey unser König!"

Der Dornbusch sprach zu den Baumen:

Wenn es denn wahr ist, daß ihr michAu eurem König salbt:

So kommet und vertraut euch meinem Schatten.Wo aber nicht,

So gehe Feur vom Dornbusch ausUnd fresse die Cedern Libanons.

Die Fabel lebt ganz in den wilden Zeiten avtono-mischer Freiheit. Im Geiste und Gefühle dieserstellt sie die ruhige Glückseligkeit einzelner frucht- undsaftvoller Bäume dar, die alle keine Königshöhe be-gehren. Sie stellt die Göttergaben ins Licht, durchdie eben der Dornbusch zur Königswürde gelangtund die er beim ersten Anträge in sich fühlet. Siezeigt die innere Art der Königswürde, nämlich kaltund dürr, ohne Oel und Freude, über blühendenBaumen zu schweben. Endlich erzählt sie auch dieersten Gnadcnbezeugungen des Dornbusches, seineCapitulation mit den Cedern auf Libanon, daß siesich entweder unter seinen, des Dornbusches, Schat-ten begeben oder von ihm, dem Dornbusch, mitFeuer gefressen werden sollten. Schöne Fabel! volltrauriger Wahrheit in mehr als Einer Zeit!

Der Orient ist voll solcher moralisch-politischenFabeln. Was die Geschichtschreiber europäischer Völ-ker in Aphorismen vortragen, kleideten sie in dasGewand der Dichtung oder des Mahrchens. DerTyrann, der ihnen die freie Stimme nahm, mußte