Vom Geist der Ebraischen Poesie. 269
gesagt; und das ist der Fabel bester Ursprung'undbester Endzweck. Bäume reden und handeln in ihr:denn Israel lebte damals unter Baumen, in einemHirten- oder Ackerleben. Der jüngste Sohn einesverdiente» Vater-, der von allen seinen ermordetenBrüdern allein übrig ist, tritt auf die Höhe desBerges, erhebt seine Stimme und spricht zum Volk,das. den Unterdrücker seines Geschlechts, den Mörderaller seiner Brüder zum Könige gemacht hat, also s):
Ihr Männer! ihr Herren zu Sichem, höretmich!
Und Gott wird euch auch hören!
Es gingen die Bäum' einmal,
Zu salben einen König über sich. '
Sie kamen zum Oetbaum:
,,Sey König über uns."
Da sprach zu ihnen der Oelbaum:
„Soll ich aufgeben meinen fetten Saft,
„Ob dem mich Götter und Menschen ehren,
„Und hingchn, daß ich über den Bäumen schwebe?
Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum;„Komm du, sey unser König!"
Da sprach zu ihnen der Feigenbaum:
„Soll ich aufgeben meine Süßigkeit„Und schöne Jahresfrucht,
„Und hingehn, daß ich über den Bäumen schwebe? —
Da sprachen die Baume zum Weinstock:„Komm du, sey unser König."
Da sprach zu ihnen Vrr Weinstock:
„Soll ich aufgeben meinen süßen Most,
») Richter g, 7.